MKC zeigt Sammlung eines Leipziger Studienrates

Angeregte Gespräche gab es zur Herkunft der von Kurt Kühn gesammelten Grafiken. FOTO: Kathleen Okrent

Grafik des 20. Jahrhunderts steht im Mittelpunkt einer ganz besonderen Ausstellung.
Templiner Zeitung vom 23.2.2013: von Kathleen Okrent / Sigrid Werner

Templin. Eine Ausstellung besonderer Art ist seit einer Woche im Templiner Multikulturellen Centrum geöffnet.
Aussteller ist einmal nicht ein Künstler, sondern quasi eine Erbengemeinschaft. Der gebürtige Leipziger Michael Todenhöfer, selbst Maler und Glasmaler, hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Nachlass seines Großvaters Kurt Kühn bekannt zu machen und in gute Hände zu übergeben, wie er im Gespräch mit dem Uckermark Kurier bei der Vernissage verriet. Die Templiner kommen zuvor in den Genuss, die letzten Blätter von Kühns Grafiksammlung aus dem 20. Jahrhundert zu bewundern und bei Gefallen auch das eine oder andere Blatt zu erwerben. Todenhöfer und die Erbengemeinschaft haben die Arbeiten von Experten begutachten lassen.
Als Lehrstück verschiedenster Drucktechniken bezeichnete Michael Todenhöfer die am vergangenen Freitag im MKC eröffnete Grafikausstellung, die aus der Sammlung seines Großvaters, des Leipziger Studienrates Kurt Kühn (1880-1934) schöpfen konnte. Das MKC-Team kann die Ausstellung aus diesem Grunde auch Kunstkursen und Kunstpädagogen aus Schulen der Region nur empfehlen.
Die in der Foyer-Galerie gezeigten Holzschnitte, Lithografien und Radierungen von mehr als 26 Künstlern, die
alle im ersten Viertel des 20.Jahrhunderts entstanden, vermitteln einen lebendigen Eindruck der künstlerischen Vielfalt jener Zeit und sind nur ein Bruchteil des Nachlasses Kühns. Wie Studienrat Kühn die mehrere Hundert Blatt umfassende und zum Teil sehr wertvolle Kollektion mit seinem Gehalt zusammentragen konnte, bleibt seinen Nachkommen bis heute ein Rätsel. Manche Sammlerstücke gehen auf ganz persönliche Freundschaften des Leipziger Studienrates mit Kennern und Künstlern der Leipziger Grafik- und Buchdruckszene zurück. Darunter so manche für Liebhaber durchaus bemerkenswerte Arbeit. Bodo Neumüller und Sigurd Kuschnerus standen bei der Vernissage rätselnd vor einer Lithografie. Sollte da tatsächlich ein Slevogt an der Wand hängen? Max Slevogt zählt zu den drei berühmten Vertretern des Berliner Impressionismus: Liebermann, Slevogt, Corinth. Passend zu den grafischen Geheimnissen dieser Ausstellung zauberte Jasper Libuda (Berlin) auf seinem Kontrabass manchmal geheimnisvoll, manchmal meditativ, dann wieder kraftvoll beschwingt mit wahrer Spielfreude den Gästen zusätzlich einen musikalischen Aha-Effekt zur Vernissage. Die Ausstellung ist noch bis zum 8.April im MKC zu sehen.

Categories:

Pressespiegel, Verein