Das Alter ist nicht das Ende, sondern ein neuer Anfang

Horst Meierhoff und die anderen Teilnehmer suchen bei der Sommerakademie nicht nur den fachlichen Rat von Bodo Neumüller, sondern auch die Gemeinschaft. FOTO: Sigrid Werner

Vom Redaktionsmitglied Sigrid Werner
Templiner Zeitung vom 21. Juni 2012Ein gutes Dutzend Hobbymaler wagt sich wieder in die Natur, um draußen zu malen. Bodo Neumüller zeigt ihnen, worauf es dabei ankommt.Templin.„Horst Meierhof aus Templin hat einen riesigen Sprung gemacht“, lobt Bodo Neumüller den Freizeitmaler. Der hat seine Staffelei am Templiner Kanal gleich hinter der Schleuse Richtung Eichwerder mit Blick auf die historische Innenstadt aufgebaut – genau wie die anderenein Dutzend Hobbykünstler aus Templin, Oranienburg, Zehdenick, Lychen, Joachimsthal und Neuglobsow.Meierhofs Grün sieht heute ganz anders aus als noch vor einem Jahr.
Die Teilnehmer der diesjährigen Sommerakademie des Kunstvereins genießen die kreative Beschäftigung mitten in der Natur, windgeschützt und mückenfrei. Mit Pinsel, Acrylfarbe oder Pastellkreiden „übersetzen“ sie ihre Sicht auf das schmucke Stückchen Erde in Farben und Formen. Seit Jahren leitet der Templiner Bodo Neumüller die Teilnehmer an. Die meisten von ihnen sind ohnehin seine Schüler. Sie nehmen zum Teil, wie Liane Harndt, sogar Urlaub für diese intensive Phase künstlerischen Schaffens. Andere sind neu in der Runde, meist Senioren. Mit den Augen bei den anderen stehlen zu dürfen, beschreibt die Zehdenickerin Frau Burow den Reiz der Sommerakademie. Vom Stechlinsee kommt Helga von Arnim-Gralles. Durch einen Malkurs mit Bodo Neumüller wurde die Porzellanmalerin auf das Angebot in Templin aufmerksam, ihrer „Sucht“ mal auf andere Art zu zu frönen. „Ich möchte mich weiterentwickeln. Das Alter ist doch nicht das Ende, es eröffnet nur neue Perspektiven“, sagt sie und denkt dabei an die Worte eines Freundes ihrer Oma: „Helga, wenn du alt wirst und nicht mehr so kannst, dann solltest du wenigstens noch einmal am Tag den Pinsel nehmen, eine Seite lesen, schreiben oder dich ans Klavier setzen“.
Aber kann denn wirklich jeder malen? Horst Meierhof ist überzeugt davon: Er sei durch seine Frau zum Malen gekommen. Als Schüler habe ihn das nicht interessiert. „Man muss halt viel üben. Kunst hat mit Ausdauer zu tun“, sagt er. Bei der Sommerakademie gehe es ihm weniger ums Lernen als um die Gemeinschaft. Gemalt werde von früh bis spät, dazwischen gemeinsam gepicknickt und über Bilder diskutiert. Über Perspektiven, Bildschnitte, diesmal besonders über die faszinierenden Spiegelungen auf dem Wasser. Eben noch ganz glatt, Sekunden später ganz wild. Die Kulisse am Wasser, Bäume, historische Stadtmauer, Boote und Fischerei bieten besondere Herausforderungen. „Es geht um das räumliche Begreifen“, fasst Neumüller die Schwierigkeit des Malens in der Natur zusammen. Fangen die Augen doch eine Viertelkugel ein, nicht nur Breite und Länge. Beim Abmalen vom Foto fehle die Ellipse. Den Mut haben, draußen zu malen, sich hineinzuschauen, auch mal was wegzulassen und eigene Empfindungen hineinzutun, das sei das Schwierige. Da fange jeder immer wieder ganz bei Stunde Null an.

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