Kunst ist wie Fremdsprache: Erst lernen, dann verstehen

Pressebericht über die Vernissage von Sonja Eschefeld. Templiner Zeitung 27.03.2013

 

Vernissage Eschefeld

 

 

So wird das Treppensteigen im Rathaus zum Kunstgenuss: Eine neue Ausstellung säumt den Weg nach oben. FOTO: Sigrid Werner

Von unserem Redaktionsmitglied
Sigrid Werner

Der Tisch ist gedeckt: Der Kunstverein holt Arbeiten einer preisgekrönten Künstlerin nach Templin. Die Besucher dürfen probieren.

Templin.„Sie werden es nicht leicht haben“, habe Prof. Wieland Förster seiner Meisterschülerin, der Malerin und Bildhauerin Sonja Eschefeld, mit auf den Weg gegeben.
Was er mit der „Drohung“ gemeint haben könnte, das dürfen dieser Tage die Besucher der Galerie im Neuen Rathaus von Templin in Augenschein nehmen. Der Kunstverein Templin und im besonderen Maße Bodo Neumüller haben zum zweiten Mal nach 1994 eine Ausstellung der preisgekrönten Künstlerin aus Berlin-Weißensee nach Templin geholt.
Die Besucher werden es nicht leicht haben? Sonja Eschefeld lebt den Spagat zwischen „Kunst erklären müssen“, obwohl sie doch eine bildhafte Sprache von Form, Farbe, Komposition spreche, und der Triebfeder künstlerischen Tuns, schöpferisch zu sein, mit Farben und Formen zu fabulieren, wie sie selbst sagt, Traditionen aufzubrechen, Neues zu wagen. „Es ist nicht einfach, wenn man authentisch bleiben möchte in der Kunst und trotzdem andere teilhaben lassen möchte. Den Einklang sucht. Jeder wird gerne verstanden.“ Sie würde sich freuen, wenn die Besucher der Ausstellung in Templin gewisse Übereinstimmungen finden würden, übermittelte die Künstlerin den Gästen der Vernissage in einem Brief – sie selbst war erkrankt. Matthias Schilling vom Kunstverein zitierte daraus. Es scheine, die bildhafte Sprache sei den meisten Menschen verloren gegangen. Stattdessen herrsche das Bedürfnis nach fotografischem Abbild, Melodie in der Musik, Wiederkennungseffekt. „Für den schöpferischen Künstler kann das zu einem Problem werden.“ Den Menschen falle es nicht leicht, die Sprache seiner Bilder zu verstehen. Vieles steht offensichtlich wie bei Gedichten „zwischen den Zeilen“. Matthias Schilling versuchte sich im Übersetzen. Wahre Künstler begehren auf gegen die „Hölle des Gleichen“, meinte er, und spürten der Triebkraft der Gesellschaft nach – in „Produktivität gegen den Trend“, wie Künstler sie an Sonja Eschefeld schätzen. Zum Beispiel in ihrem Versuch, ausgerechnet mit flächigen Plastiken räumliche Illusionen zu erzeugen. Es sei bei jedem Künstler wie mit dem Erlernen einer neuen Fremdsprache, man beherrsche sie nicht vom ersten Tag an, zog Matthias Schilling den Vergleich und ermutigte die Gäste, sich darauf einzulassen und bekannte „Vokabeln“ zu suchen. Seine Schüler aus Templiner Kunstkursen, die sich die Vernissage nicht entgehen ließen, schienen jedenfalls schon gübt darin, die Sprache Sonja Eschefelds zu verstehen. Sie schwärmten von den malerisch „gedeckten Tischen“, Collagen und besonderen Schattenwirkungen der Plastiken. „Sonja Eschefeld spricht mir mit ihren Zeilen aus dem Herzen, so ähnlich empfinde ich auch“, sagte Helga Knaack, frühere Kunsterzieherin, nach der Vernissage. Sie male selbst auch, Aquarelle, nicht pingelich kleinliche Abbilder, „aber ich wage mich längst noch nicht so weit weg hinaus wie Sonja Eschefeld“, meinte sie anerkennend.

 

Eschefeld, Sonja

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